Bis Kleidung aus Denim im Geschäft angeboten wird, hat sie schon einiges erlebt. So ist eine durchschnittliche Jeans, ‚made in China‘ bereits 50.000 Kilometer gereist und belastet mit rund 30kg Treibhausgasen unser Klima. Beim Wachstum der Baumwolle und der Entstehung der Jeans hat sie rund 8.000 Liter Wasser benötigt*. Sollen all diese Ressourcen umsonst gewesen sein und nach kurzer Nutzung im Müll landen? Gibt es ein zweites Leben für meine Jeans?
Die richtige Wahl beim Einkauf ist eine wahre Kunst. Jeans in die man gerade so hineinpasst, aber wegen des attraktiven Angebots lukrativ erscheinen, entwickeln sich meist zu ungetragenen Stücken. Damit der Fehlkauf nicht so offensichtlich ist, bleibt diese Jeans einmal im hinteren Bereich des Kastens und wartet. Irgendwann wird aussortiert, spätestens da muss sie weg. Da diese Jeans oft neuwertig und kaum getragen sind, eignet sie sich perfekt für Vintage. Ab damit in den Second Hand Markt, dort trifft die Jeans auf jene KäuferInnen (derzeit sind es noch mehrheitlich Frauen), die entweder günstig einkaufen wollen, oder aus Überzeugung Vintage kaufen.
Ob jetzt zu eng oder zu groß, ob sich das Wunschgewicht noch erreichen lässt und zu welchem Zeitpunkt ist fraglich. Doch oft hält das Zwicken oder Schlottern an und der Sitz der Denim ist einfach nie perfekt. Was dann tun damit? Wenn die Jeans noch tadellos aussieht und keine sichtbare Mängel, wie Scheuerstellen oder Löcher an ungewollten Stellen hat – dann ist auch hier der Second Hand Handel die beste Wahl.
Wie toll ist das Gefühl, die ‚Richtige Jeans‘ gefunden zu haben! Sitzt, passt und sieht gut aus! Gratuliere, die wird jetzt ein Lieblingsstück und oft getragen werden. Aber mit der Zeit bekommt jede Jeans Löcher. Oft gesehen: Scheuerstellen an den inneren Nähten, durchgesessener Hintern oder Rissen an den Knien, da dort das Material schon sehr dünn ist. Falls man Hobbys wie Gartenarbeit, Renovierung oder Malerei frönt, kann man schon abgetragene, aber noch passende Jeans als „Arbeitshosen“ nutzen. Falls der Stapel an Arbeitswäsche nicht schon zu hoch ist. Eventuell lassen sich noch Teile zum Upcycling verwenden.
Ausgediente Jeans werden zu etwas Neuem umgeschneidert. Dadurch bekommen Teile der alten Jeans ein ’second life‘. Man findet sie als neue Kleidungsstücke (Röcke, Shorts etc.) oder als Accessoires wie Taschen und andere kreative Ideen. Selbst auf dem Geschmack gekommen? Es gibt unglaubliche viele Ideen im Netz. Diejenigen, die solches Upcycling betreiben, finden meist in ihrem engsten Umfeld genügend Basismaterial für ihre Schöpfungen. Deshalb bleibt die Frage wohin mit all den anderen ausgetragenen Jeans?
Das Textilrecycling ist ein industrieller Prozess, bei dem der Denimstoff für die Wiederverwertung aufbereitet wird. Hier geht es um die Rückgewinnung des Rohstoffes (Baumwolle), der für neuen Zweck genutzt werden kann. Ein Blick in die Innenseite der Jeans zeigen, dass schon viele Denimstoffe Mischgewebe (z.B. Baumwolle mit Elasthan) sind. Und da wird es schwierig, denn bei Mischgeweben gibt es derzeit noch technischen Schwierigkeiten die Fasern zu trennen. Doch auch bei „100% Baumwolle“ können die Nähte, oder das Futter der Hosentaschen aus Kunstfaser sein. Das macht im Recycling-Prozesse viel manuelle Arbeit notwendig, da auch Reißverschlüsse und Nieten entfernt werden müssen.
Die Textilexporte von getragener Kleidung in die „Dritte Welt“ sind in den letzten Jahrzehnten laufend im Steigen. Wieviel davon wirklich genutzt wird und welchen Einfluss, dies auf die Inlandsproduktion hat, ist einer eigenen Betrachtung wert. Fakt ist, es wird zuviel in diese Länder geschickt, denn auch dort landet viel im Müll.
Viele Textilien bleibt dann nur der Weg zur Müllverbrennung oder Deponierung. Im Fall der Deponie zerfallen die Stoffe über die Zeit und Kunstfasern zerfallen zu Mikrroplastik. Diese Deponien finden sich meist außerhalb Europas und belasten dort mit ihren Rückstände die Umwelt stark. Schätzung von Experten zufolge landet nur ein Prozent der recycelten Kleidung wieder im Kleiderkasten.
Beim Kauf der nächsten Jeans, sicher sein, dass sie passt und einem lange begleitet. Auf Labels achten und langfristiges Design bevorzugen.